5. April 2010, 1. Korinther 15,12-20
Ostermontag

Von: Dr. Howard Perry-Trauthig

Hoffen lernen

Die Situation im Gottesdienst am Ostermontag ist ganz anders als am Ostersonntag. Einfinden wird sich vermutlich ein kleines Häuflein treuer Gottesdienstbesucher. Warum kommen sie? Aus Gewohnheit? Suchen sie Vergewisserung, Stärkung, Bestätigung, Trost, Hoffnung? Es ist eine besinnlichere, bedächtigere Gemeinde als am Ostersonntag.
Der Predigttext begründet und legt das Bekenntnis aus, das Paulus unmittelbar davor abgelegt hat. Kunstvoll verwebt er die erfahrene Aufstehung Christi und die erwartete Auferstehung der Toten. Sie sind miteinander, ineinander verwoben, unzertrennenbar. Dies ist keine sprachliche Spielerei. Es geht um das Leben, das vollkommene Leben. Unsere Hoffnung auf Auferstehung ist vergebens, wenn Christus nicht selbst als erster auferstanden ist. Wenn Christus nicht auferstanden wäre, hätten wir keinen Grund zu hoffen. An die Auferstehung zu glauben, heißt hoffen zu lernen.
Paulus spricht von der Zwischenzeit. Es ist die Zeit, in der wir leben. Die Zeit zwischen Jesu Auferstehung und unserer Auferstehung von den Toten. Die Zeit zwischen unseren hehren Ansprüchen und ihrer Erfüllung. Die Zeit zwischen unseren Träumen und ihrem Wahr-Werden. Paulus spricht vom Alltag. Mitten in diesen Alltag hinein spricht er vom Tag des Heils, vom Tag, an dem alles Unvollkommene, alles Zerbrochene in unserem Leben vollendet, heil wird.
Während die Festgemeinde am Ostersonntag noch im Höhenflug der unmittelbaren Feier der Auferstehung ist, steht die Gemeinde am Ostermontag unmittelbar davor, von dem Hoch des Ostersonntags in den Alltag abzustürzen. Wer kennt das nicht – das Loch, in das man oft nach einem rauschenden Fest stürzt? Die fröhlichen Menschen, die Musik, die kulinarischen Köstlichkeiten, die leckeren Getränke, die wunderbaren Gespräche sind weg – aber vor allem, die Stimmung ist weg. Übrig bleiben nur die schmutzigen Teller und Gläser, der ganze Müll und die Unordnung – und die Wehmut, dass alles schon vorbei ist.
Gegen diese Alltagsstimmung hämmert Paulus der Gemeinde ein, warum ihr Leben Sinn und Inhalt hat, warum sie überhaupt hoffen und froh nach vorne schauen können – selbst wenn die Zwischenzeit eher grau aussieht und aus schmutzigem Geschirr besteht.
Ich möchte die Gemeinde bei ihrer Tag-danach-Stimmung abholen und – in den Fußstapfen Pauli – daran erinnern, dass selbst wenn die Feier vorbei zu sein scheint, wir jeden Anlass, nein: den Anlass zum täglichen Feiern haben – die Macht des Todes, der wir so oft in unserem immer wieder mühsamen Alltag verfallen, ist gebrochen. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden und geht uns voraus. Darauf können wir uns verlassen. Mit Predigt, Gebeten und Liedern möchte ich den Gottesdienstbesuchern helfen, diese Zuversicht in ihrem Alltag zu spüren.


Liturgische Anregungen:
Ps. 46 (EG 757)
Schriftlesung: Lk. 24,13-35
EG 116    »Er ist erstanden, Halleluja«
EG 106    »Erschienen ist der herrlich Tag«
EG 115    »Jesus lebt, mit ihm auch ich«
EG 384    »Lasset uns mit Jesus ziehen«

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2010

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