4. April 2010, 1. Korinther 15,1-11
Ostersonntag
Von: Dr. Howard Perry-Trauthig
Die Auferstehung spitzt das 1. Gebot zu
Wenn es einen Sonntag im Jahr gibt, den Jubel und Freude kennzeichnen, dann Ostersonntag. Es soll im Gottesdienst krachen! (Natürlich liturgisch angemessen und würdig, dazu s.u.) Warum das so ist und dass dies konkrete Folgen für unser Leben hat, sagt unser Predigttext. Er ist konzentriert auf das Wesentliche und hat eine klare, durchdachte Struktur: Paulus übernimmt eine alte Überlieferung (»was ich auch empfangen habe«, V. 3b-5). Dieses »Ur-Zeugnis« ergänzt er durch andere Zeugen, am Schluss kommt er selbst vor. Es fällt auf, dass Zeuginnen fehlen, z.B. die Marias (V. 6-9). Er schließt seiner Erwähnung einen Hinweis auf die Auswirkungen seiner Begegnung mit dem Auferstanden auf sein Leben an (V. 10). Eingerahmt wird dieses komprimierte Bekenntnis durch Betonung des gemeinsamen Glaubens (V. 1-3a.11).
Hier geht es um Glauben, nicht um Theologie. Paulus führt unmittelbar nach seinem Bekenntnis aus, welche Folgen dieser Glaube für sein Leben hat. Die theologischen Schlussfolgerungen hebt er für später auf. Gerade die Beobachtung, dass Zeuginnen in Paulus’ Aufzählung fehlen, weist uns darauf hin, dass die Auswirkungen der neuen Wirklichkeit in Christus noch nicht konsequent durchdacht waren und ferner, dass dies ein immer offener, nie abgeschlossener Prozess ist. Wir reihen uns in die Reihe der Auferstehungszeugen (und -zeuginnen) ein und führen den Prozess weiter; wir schließen ihn aber nie ab.
Die Gläubigen befinden sich durch die Auferstehung in einer neuen Wirklichkeit, welche der alten jede Gültigkeit abspricht. Sie stellt – wie der Gottesglaube der an Yahweh Glaubenden (1. Gebot!) – alle und alles andere in Frage, ja verleugnet alles andere, das absolute Loyalität, Glauben, Gehorsam verlangt. Die Auferstehung spitzt das 1. Gebot zu. Die Verbindung zwischen der Auferstehung und dem Leben der Gläubigen ist äußerst eng geknüpft. Es geht um unsere Haltung als an die Auferstehung Glaubende. Merkt das überhaupt jemand? Ist überhaupt nötig oder wünschenswert, dass man das merkt?
Korinth war damals noch nicht »entzaubert«, die Lage war aber unserer Situation in einer säkularisierten Gesellschaft insofern ähnlich, als es verschiedene Weltanschauungen gab, die mehr oder weniger gleichberechtigt um die Deutungshoheit stritten. Die Christen und Christinnen mussten zusammenhalten, sich gegenseitig stärken. Gerade deshalb waren die theologischen Streitereien so schlimm. Die kleine Gemeinde konnte es sich gegenüber einer durch zahlreiche verlockende Sinnangebote charakterisierten Umwelt schlicht nicht leisten.
Die Frage nach der Bedeutung, ja vor allem der Auswirkung des Lebens in dieser neuen Wirklichkeit muss vor dem Hintergrund 1. der Säkularisierung (Taylor et al.) und 2. des Alltags der Predigthörenden bedacht werden. Je nach Gemeinde und Situation kann der Schwerpunkt der jeweiligen Predigt unterschiedlich ausfallen. Sie muss aber zwingend beide Aspekte im Sinne haben.
Liturgische Anregungen:
Ps. 118 (EG 747)
Schriftlesung: Mt. 28,1-10
EG 100 »Wir wollen alle fröhlich sein«
EG 112 »Auf, auf, mein Herz mit Freuden« (nach der Predigt)
EG 636 (Württ.) »Unser Leben sei ein Fest«
Ein kleiner Zusatz: Der Ostersonntagsgottesdienst soll natürlich würdig und feierlich sein, aber die Spontaneität eines Kindergottesdienstes entspräche der angemessenen Stimmung eines Ostergottesdienstes. Warum nicht einen Familiengottesdienst mit Beteiligung der Kinderkirche und vielen symbolischen Handlungen feiern, z.B. Einzug der Osterkerze von der Osternacht und Richten des am Karfreitag geräumten Altars? An die Stelle der üblichen Predigt tritt eine fünfminütige familiengottesdienstgerechte Ansprache, aber die freudige Botschaft kommt rüber. Und ist das nicht wichtiger, als dass wir Predigenden, die das ja gern, mit Einsatz und Herzblut, sogar Leidenschaft tun, an diesem Sonntag mal nicht so (direkt!) zu Wort kommen? Das könnte man für den Ostermontag aufheben.
Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2010
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