1. April 2010, 1. Korinther 11,23-26 (11,20-34)
Gründonnerstag

Von: Dr. Siegfried Sunnus

»des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt«

Der Predigttext in Klammern galt bis 1977. Der Sachbearbeiter für unseren Pfarramtskalender und liturgische Fachmann, Dr. Jörg Neijenhuis, bestätigte meine Vermutung, dass erst ab 1978 in der Predigtreihe II die »Kurzfassung« vorgeschlagen worden ist. Ich war unsicher geworden, weil 1967 meine Vikariatspredigt als OP die »Langfassung« hatte: Habe ich damals eigenmächtig erweitert, um das »unwürdig essen und trinken« (V. 27) sowie »isset und trinket sich selber zum Gericht« (V. 29) thematisieren zu können? Nein, die Liturgische Konferenz hatte später diese gewichtige Änderung vorgenommen. Denn damit ändert sich fortan der Predigtduktus. Ging es mir 1967 darum, die verbreitete Abendmahlsscheu anzusprechen und darzulegen, worin der Skandal in Korinth bestand, so stellt die »Kurzfassung« die Weichen in Richtung »Feierabendmahl«, in dem der Doppelaspekt des »Heiligen« als »fascinosum« und »tremendum« (Rudolf Otto), vorsichtig ausgedrückt, zu kurz kommt.
Besonders an diesem Abend – »in der Nacht, da er verraten ward« – sollen wir »des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt«: Wer kann das fassen?

In erster Annäherung lässt sich vom Abendmahl wohl dreierlei sagen: Es versammeln sich Menschen, die wissen, dass sie vor Gott nicht so sind, wie sie sein sollten. Diese Gemeinschaft sündiger Menschen ist aber nicht allein – Christus ist bei ihr. Wie der Gekreuzigte und Auferstandene präsent ist, wird unterschiedlich gedeutet: Wandlung (röm.-kath. Dogma), Realpräsenz (Luther), Gedächtnismahl (Zwingli). Und schließlich: Die Versammelten begehren Sündenvergebung. Aber nun nicht durch das Essen und Trinken, wie es ja auch Luther im kleinen Katechismus sagt: Leibliches Essen und Trinken tut’s freilich nicht, sondern wer den Worten glaubt »Für euch gegeben und vergossen«, der hat, was die Worte sagen: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Denn: Wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit.
Damit geschieht letzten Endes im Abendmahl dasselbe wie in der Predigt: die Zusage Gottes, mit den Menschen Gemeinschaft haben zu wollen. Abendmahl und Predigt kommen vom Kreuz auf Golgatha her und handeln davon, was Gott für uns getan hat. Deshalb kann Paulus den Korinthern deutlich machen, dass sie sich nicht nur an das letzte Mahl Jesu erinnern, sondern auch bekennen, was der Tod Jesu bedeutet in der Gegenwart, und dass sie das nicht unbegrenzt lange tun werden: »…bis daß er kommt!«
An dieser Stelle beginnt aber das Unvergleichliche des religiösen Vorgangs. Das Feuilleton der »FAZ« vom 24.12.2009 erinnert an den evangelischen Theologen Erik Peterson, der später zum Katholizismus konvertierte, und geschrieben hatte: »Die Offenbarung ist da, bevor einer etwas merkt. Christus wird geboren, bevor die Hirten nach Bethlehem eilen und die Könige aus dem Morgenlande ihre Geschenke darbringen. So wenig ist die Welt darauf vorbereitet, dass sie Maria einen Stall zur Unterkunft anbietet und erst auf Weisung der Engel sich die ersten Menschen aufmachen, um ihrem Herrn zu huldigen.« Sehr zugespitzt schreibt Peterson zum Abendmahl – aber hilfreich zum Bedenken des Schwierigen: »Daß wir im Abendmahl Leib und Blut Christi genießen, das vermögen wir nie zu erfahren, auch wenn wir unser Gemüt noch so innig mit Christus in Zusammenhang zu bringen suchen.« Das religiöse Geschehen sei wirklich, »insoweit wir es nicht erfassen, insoweit es nicht Glaubensmysterium ›für uns‹, sondern sakramentale Handlung ›an uns‹ bleibt.«

Zu Beginn des abendlichen Gottesdienstes ließe sich etwas zum Namen des Tages sagen, der seit 1200 nachweisbar, aber dessen Herkunft umstritten ist; vielleicht leitet er sich vom althochdeutschen »Grinen« = »Klagen« ab.
Auch wo es nicht üblich ist, schlage ich vor, das Schuldbekenntnis mit dem »Herr, erbarme dich«, die Beichtfrage und die Gnadenzusage mit dem »Gloria in excelsis« aufzunehmen.

Liedvorschläge:
EG 478    »Nun sich der Tag geendet hat«
EG 221    »Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen«
EG 223    »Das Wort geht von dem Vater aus«
EG 473    »Mein schönste Zier und Kleinod bist«

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2010

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