Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten
Von: PD Dr. Peter Haigis
Im Juni 2006 hat Pfarrkollege Wolfgang Ilg in dieser Zeitschrift für die Teilnahme an einer Befragung zur Konfirmandenarbeit geworben. Das erhobene Umfrage-Material floss ein in eine bundesweite Studie, die vom Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen (Prof. Dr. Friedrich Schweitzer) in Zusammenarbeit mit dem Comenius-Institut in Münster (Direktor Volker Elsenbast) durchgeführt wurde. In Auftrag gegeben haben die Studie die Bildungsdezernenten sowie die Beauftragten für Konfirmandenunterricht in den einzelnen Landeskirchen. Anfang März dieses Jahres konnten die ersten Ergebnisse den entsprechenden kirchlichen Gremien sowie der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Inzwischen geht die Arbeit weiter: In Vorbereitung ist eine Publikation, die im Herbst erscheinen soll.
Sozusagen auf halbem Weg dieses Veröffentlichungsprozesses stellen die Autoren der Studie ihre Einsichten nun im »Deutschen Pfarrerblatt« vor. Eingerahmt ist diese erste Präsentation der Forschungsergebnisse von verschiedenen Perspektiven auf die Konfirmandenarbeit in Deutschland. In den letzten zwanzig bis dreißig Jahren haben sich hier gravierende Umbrüche vollzogen, die sich u.a. mit dem Blickwechsel verbinden weg vom traditionellen, den klassischen Aufgaben der Katechese verpflichteten Konfirmandenunterricht hin zu einer vielfache Aspekte der Jugendbildungsarbeit umgreifenden Konfirmandenarbeit. Dieser Blickwechsel schlägt sich auch in alternativen Modellen der Konfirmandenarbeit nieder, die aus der eng geführten Spur des Unterrichts in der Adoleszenzphase zu Anknüpfungen an und zu Verlagerungen in die kinderpädagogische Arbeit führen, bzw. neben der Vermittlungsarbeit von Pfarrern die Mitarbeit und Mitgestaltung seitens der Eltern oder älterer Jugendlicher vorsehen. Dabei ist ferner zu berücksichtigen, dass die Konfirmandenarbeit in den neuen Bundesländern aufgrund der unterschiedlichen historischen Entwicklungen einen deutlich anderen Stellenwert besitzt als im übrigen Deutschland.
Nochmals anders stellt sich die Situation im Ausland dar: Zwei Beiträge, die der Konfirmandenarbeit resp. der kirchlich verantworteten religionspädagogischen Arbeit in Skandinavien, insbesondere Norwegen, und der Schweiz gewidmet sind, weiten den Blick über den Tellerrand der EKD hinaus. Schließlich runden ein Beitrag über Spiritualität bei Jugendlichen sowie eine historisch-persönliche Reminiszenz an eine Konfirmation unter nationalsozialistischem Vorzeichen im Jahr 1941 den Streifzug, der in diesem Heft unternommen wird, ab.
Dass wir mit alledem erst am Anfang einer intensiven Diskussion und weiterer Forschungs- und Erhebungsverfahren stehen, liegt auf der Hand. Auch wird von hier aus neu zu überlegen sein, welchen Zielen kirchliche Konfirmandenarbeit eigentlich zu dienen und zu genügen hat – in Zeiten erlebten Traditionsabbruchs, gesteigerter Bildungsdebatten und der Frage nach relevanten und vermittelbaren Orientierungsmarken individueller und gesellschaftlicher Lebensgestaltung erweist sich dies als eine Diskussion auf mehreren Schauplätzen und angesichts sehr unterschiedlich gelagerter Interessen. Dass andererseits die Zukunft der Kirche nicht nur in guter kinder- und jugendpädagogischer Arbeit liegt, sondern auch in einer gelungenen Konfirmandenarbeit, versteht sich dabei von selbst.
Herzlich grüßt Sie Ihr
Peter Haigis
Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 6/2009
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