Müssen Pfarrer eigentlich auf den Kirchentag?
Bildunterschrift: Vom 20. bis 24. Mai 2009: Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen.
Ich sage es gleich vorneweg: ich gehe nicht. Nicht, dass ich was gegen den Kirchentag hätte. Aber ich finde einfach keine Zeit. Wir sind hier im Pfarramt zu dritt (zweieinhalb, müsste man sagen), einer ist im Urlaub, da bin ich mit dem halben allein und muss also zusehen, dass die über 6000 Gemeindeglieder seelsorgerlich versorgt sind. Aber ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Wäre es nicht wichtig, dabei zu sein? In diesem Kessel mit dem bunten Allerlei, wo jeder etwas für sich findet? Und wo natürlich auch bedeutende Persönlichkeiten hinkommen, die ich schon gerne mal sehen und hören würde? Und täte es mir nicht gut, mal raus zu kommen? Unterzutauchen in der Kirchentagsmasse?
Man könne ja seine Zeit selber gestalten, wurde mir des Öfteren gesagt. Das sei ja das tolle am Pfarrberuf. Ich finde es schon kritisch, wenn ich, um einen erwünschten Besuch zu machen, einen Termin vereinbaren muss. Aber anders kriege ich es eigentlich gar nicht mehr hin mit den Gemeindebesuchen. Zu voll ist der Terminkalender, als dass ich spontan sagen könnte: ich komme heute Nachmittag vorbei.
Zurück zum Kirchentag: Da erlebe ich Kirche mal ganz anders. Mutiger, würde ich sagen. Und das tut gut. Aber das ist der Event-Effekt. Da traut man sich immer was, weil so viele mitmachen. Deswegen muss ich also auch nicht dabei sein. Denn von den mutigen Sachen hört man später in den Medien genug.
Also: (warum) sollten Pfarrer/innen eigentlich beim Kirchentag dabei sein?
Kirchentag
6 Kommentare zu diesem Beitrag
Ein Kommentar von Landpfarrer / 22.01.2010
Gerne würde ich mal wieder zum Kirchentag fahren. Früher über das Fronleichnamswochenende habe ich mir die Zeit dafür manchmal freigeschaufelt. In den letzten Jahren fanden die Kirchentage allerdings immer über das Himmelfahrtswochenende statt. Warum weiß ich nicht. Vielleicht möchte man den kath. Mitgeschwistern ihren Feiertag nicht "besetzen". Allerdings ist den Organisatoren des Kirchentags anscheinend nicht klar, dass in einigen (oder vielen?) Gemeinden am Himmelfahrtstag Gottesdienste - oft genug als Familiengottesdienste open air - gefeiert werden. Da kann man als (einziger) verantwortlicher Pfarrer nicht einfach "abhauen". Außerdem ist in meiner Gemeinde am Sonntag Exaudi traditioneller Konfirmationstermin. Den kann ich nicht alle zwei Jahre wegen des Kirchentags verschieben. Das ist ein weiterer Grund, dass ich als Land-Gemeindepfarrer gar keine Chance habe, einen Kirchentag in einer der schönen, aber meist doch weiter entfernt liegenden Städte Deutschlands zu besuchen.
Ein Kommentar von Dorfpfarrerpensionär / 29.05.2009
Ich war dieses Mal nicht (mehr) auf dem Kirchentag, aber habe einige Kommentare (nicht nur von Kollegen) dazu gehört, die meine Erwartungen bestätigen. Das Syndrom "LCD-Bildschirm" setzt sich mehr und mehr durch: Wunderbare Stunden für alle, die dabei sind, schöne, bunte Bilder, technisch gut durchgestylt - aber das Ganze immer flacher und ohne die früher gewohnte Tiefe.
Ein Kommentar von Bewegter Rückkehrer / 26.05.2009
Nein, entspannend war es sicher nicht, aber bewegend allemal. Ich habe selten einen Kirchentag erlebt, der so viele intensive Momente für mich bereit hielt und den Menschen, mit denen ich gefahren bin, ging es ganz ähnlich. Da kann der Garten nicht mithalten. Ein Glück bin ich hin gefahren und habe die Anreise auf mich genommen. Danke für diese bewegenden Tage in Bremen!
Ein Kommentar von Thomas Körner / 26.05.2009
Wie schön ist es, im Garten in der Sonne zu liegen oder etwas zu garteln oder per Radl zum nächsten Biergarten unterwegs zu sein und nicht beim Kirchentag zu sein.
Arbeit ist auch schon da, aber eben auch gottwohlgefällige Freizeit, um die Seele baumeln zu lassen. Das Tummeln-müssen auf dieser Massenveranstaltung,das Ergattern eines Platzes auf guten Veranstaltungen...
Lieber heuer verschnaufen, ehe dann nächstes Jahr der ökumenische Kirchentag zu uns kommt und da wohl Arbeit genug anfallen wird.
Ein EX-Kirchentagsteilnehmer
Ein Kommentar von Dorfpfarrer / 18.05.2009
Für den Kirchentagsfan freue ich mich - ich würde auch gerne hinfahren. Doch nicht alle können sich frei machen und schauen, wie es sich der Kirchentag vor Ort anfühlt. Leider lässt mich mein Dienst nicht los und ich muss zu Hause vor Ort sein. Aber ich bin gespannt darauf, was mir die Menschen aus meiner Gemeinde erzählen werden, die nach Bremen fahren. Also für mich nur Kirchentagsfeeleng aus zweiter Hand!
Ein Kommentar von Kirchentagsfan / 18.05.2009
Zugegeben, der Kirchentag ist ein Event. Aber ich finde es toll, dass es im grauen Alltag so etwas überhaupt noch gibt. Und in den Medien kann man viele Berichte von Kirchentag sehen, aber da kommt überhaupt nichts rüber. Man muss schon dabei sein. Hautnah. Schauen und vor allem Fühlen, was sich in der Menge regt. Ich fahr hin und freu mich schon drauf. Gerade als Pfarrer ...